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Sperrmüll-Möbel

Sperrmüll-Möbel

Dieser Post wird relativ lang, deswegen machen wir heute mal etwas anderes. Ich zeige euch nur ein Foto (natürlich ein eigenes DIY) und wenn Ihr Lust habt, die Geschichte dieser Möbelstücke zu erfahren, lest Ihr weiter…

Als ich noch klein war, konnte jeder seinen Sperrmüll einfach kostenlos an den Straßenrand stellen und irgendwann sind große Wagen der Stadtreinigung durch die Straßen gefahren und haben alles eingesammelt. So sehr ich mir das auch für heutige Zeiten zurückwünsche, als Kind habe ich Sperrmüll gehasst.

Wann immer ich zusammen mit meinem Vater unterwegs war, hielt dieser Ausschau nach vielversprechenden Schätzen am Straßenrand (nicht weil wir kein Geld hatten, sondern wegen der Jagdlust). Wenn er fündig wurde, folgte nun eine präzise eingeübte Cheografie: Mein Vater parkte an der Straße und fing an den Sperrmüll zu durchwühlen. Jedes einzelne Teil wurde betrachtet und zum Schluss trug er glücklich seine Beute zum Auto zurück und packte alles in den Kofferraum. Mein Teil dieser kleinen Szene beinhaltete jedes Mal im Autositz soweit herunterzurutschen bis ich fast im Fußraum kniete, Falls vorhanden, meine Kapuze und Sonnenbrille aufzusetzen und durch das Fenster meinen Vater wütend anzuzischen, dass er total peinlich sei und gefälligst zurückkommen solle.Heutzutage habe ich auch das klopfende Herz, wenn ich Sperrmüll sehe und die Stadtreinigung meiner Heimatstadt hat zwei riesige Läden eröffnet, um es Junkies wie mir und meinem Vater leichter zu machen: Stilbruch in Wandsbek und Stilbruch in Altona. Das Prinzip ist genial. Wenn man beim Recyclinghof seinen Sperrmüll abgibt, wird alles, was noch gut aussieht, aussortiert und die Stadtreinigung fährt diese Sachen zu den Stilbruch-Läden. Dort wird alles saubergemacht, Kaputtes repariert und für ein paar Euro wiederverkauft. So bin ich zu den Möbeln auf dem Foto gekommen. Ich habe zuerst das obere Schränkchen für ca. zehn Euro gekauft und ein paar Monate später die Konsole (mit Original-Zertifikat vom Tischler) für 20 Euro erstanden. Zuhause habe ich beides nochmal abgeschliffen und in hell-Elfenbein lackiert. Auch wenn sie nicht derselben Stilperiode angehören, finde ich, dass sie zusammen sehr gut aussehen und in Neu hätte ich sie mir niemals leisten können.

Dieser Beitrag ist auch verfügbar auf: Englisch


  1. Marc

    8 September

    Ich fand das auch schon früher kein bisschen peinlich. Auf dem Sperrmüll habe ich das Telefontischchen gefunden, dass ich dann aufgearbeitet habe. Leider ist es so, dass bei uns viele Fahrzeuge aus Osteuropa durch die Gegend fahren und ruckzuck die guten Sachen einsammeln. Das geht soweit, dass zwar die Abholung des Sperrmülls angefordert wird, aber bis die dann da sind, ist schon alles weg 🙂

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