Mein neuer Arbeitstisch

In Hamburg regnet es mal wieder und ich sitze gerade in eine Wolldecke gekuschelt in meinem Atelier und erfreue mich an meiner neuen Lieblingsbeschäftigung: Passanten verwirren. Ihr müsst wissen, dass mein Atelier von vorne wie ein Ladengeschäft aussieht: Große Schaufensterscheibe, Waren im Schaufenster aufgebaut und Beschriftung an der Fensterscheibe. Das ist an sich schon merkwürdig genug für die Straße, in der mein Atelier liegt. Die Straße ist nämlich reines Wohngebiet und sowas wie Laufkundschaft nicht existent. Verständlicherweise treibt es also regelmäßig neugierige Passanten an meine Schaufensterscheibe, die stirnrunzelnd meine Fensterbeschriftung lesen und sich fragen, was zum Teufel wohl mit „Nur noch“ gemeint ist und dann schauen sie durch die Scheibe in mein Atelier. Was soll ich sagen? Ich mag es gerne gemütlich, wenn ich arbeite und ich hab schon vor langer Zeit aufgegeben mich darum zu kümmern, was fremde Menschen von mir denken. Von Innen sieht mein Atelier also eher wie ein Wohnzimmer aus und da sitz ich dann auf meinem Sofa, die Füße auf einem Hocker, Laptop auf dem Schoß und eine Kippe in der Hand und lächle freundlich die Passanten an. Wenn es warm ist, habe ich die Tür offen und dann gibt es noch den zusätzlichen Effekt, dass jeder vor meinem Atelier in den Genuss kommt, zusammen mit mir „Die drei Fragezeichen“ oder einen Podcast zu hören.

Ich glaube meine neuen Nachbarn finden mich sehr merkwürdig. Aber das ist schon okay.

Heute möchte ich euch gerne einen meiner neuen Arbeitsplätze zeigen. Das schöne ist, dass ich diesen sozusagen geerbt habe und ausnahmsweise Mal nicht selber etwas bauen musste: Einen hochklappbaren Arbeitstisch.

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Als ich euch vor einiger Zeit das erste Mal mein unrenoviertes Atelier gezeigt habe, habt Ihr euch bei diesem Foto vielleicht schon gefragt, was wohl das gelbe Ding an der Wand ist. Meine Vormieterin ist eine Tagesmutter, die diese Räume als eine Mini-Kindertagesstätte genutzt hat und das gelbe Ding ist ein großer selbstgebauter Klapptisch an dem die Kinder mittags gegessen haben. Als Tisch für einen Erwachsenen ist er somit eigentlich zu niedrig aber für meine Zwecke ist er dennoch perfekt.

2Mein neuer Arbeitstisch

Da Gelb nicht so meine Farbe ist, habe ich den Arbeitstisch zunächst weiß lackiert und dann habe ich direkt über ihn ein weißes Rollo angebracht.

3Mein neuer Arbeitstisch

Wenn der Tisch nun heruntergeklappt ist, habe ich eine wundervoll große Fläche um angefangene Projekte abzustellen und Unterlagen auszubreiten…

4Mein neuer Arbeitstisch

… und wenn ich dann noch das Rollo herunterziehe habe ich eine perfekte Foto-Station mit weißem Backdrop! Tada! Wenn ich dann fertig mit der Arbeit bin, ziehe ich das Rollo einfach wieder hoch und klappe den Arbeitstisch wieder zusammen. Ich frage mich, warum ich mir sowas nicht schon in meiner Wohnung konstruiert habe. Dieser Aufbau ist so viel platzsparender und praktischer als alles was ich vorher benutzt habe.

Ich hoffe Ihr habt ein schönes Pfingstwochenende! Ich werde mir gleich wieder einen Podcast anmachen und den vorbeilaufenden Fußgängern zuwinken. Ich muss schließlich an meinem Ruf arbeiten.

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  1. Hahaha … Du bist einfach der Knüller! Ich stelle mir das gerade bildlich vor und muss Grinsen! Und es ist schön, dass ich nicht der einzige, erwachsene Mensch bin, der immer noch die drei Fragezeichen hört! ?

    Die Idee mit dem Rollo finde ich ja mal super! Muss ich mir merken und in die nächsten Umbauarbeiten im Nähzimmer einplanen!

    Vielen Dank und dir noch ein schönes langes Wochenende!

    <3-lichst eVa

    • Danke 😉 Aber Süße, du bist tatsächlich genau im richtigen Alter für „die drei Fragezeichen“! Ich war ein paar Mal bei Live-Events mit den Sprechern und 80% des Publikums dort war normallerweise zwischen Ende 20 und Ende 30. In Hamburg gibt es sogar ab und zu open air events und events in Clubs bei denen keine Musik gespielt wird sondern nur nonstop „Drei Fragezeichen“-Folgen 🙂 Ich hab für kurze Zeit mal ein Praktikum bei einem Hörspiel-Verlag gemacht, der komplett nur für uns ehemalige Kassettenkinder produziert hat! Justus, Peter und Bob forever!

  2. Mona

    15 Mai

    Kann mich meiner Vorrednerin nur anschließen. Super Idee mit dem Rollo 🙂 ich finde dich übrigens gar nicht merkwürdig 😉
    Frohe Pfingsten noch und liebe Grüße
    Mona

    • Das ist lieb von dir 😉 Ich muss zugeben, dass ich lieber merkwürdig als „normal“ bin. Obwohl ich eigentlich gar nicht daran glaube, dass überhaupt irgendjemand „normal“ ist 😀 Der Unterschied ist, dass es mich als Teenager manchmal traurig gemacht hat, wenn andere mich seltsam fanden während ich mich heute eher befreit fühle. Ich finde viele gesellschaftliche Regeln eher anstrengend. Besonders die, die mit den Worten „Was sollen denn die Nachbarn denken?“ enden 😉

  3. Liebe Ronja, als Künstler muss man doch auch ein wenig als „schräger Vogel“ wahrgenommen werden. Also so weit so gut 🙂 Der Klapptisch mit der Rolle ist ja wirklich ne tolle Sache. Sowas könnt ich auch gut gebrauchen. Ich wünsch dir weiterhin noch viel Spass beim Einrichten! Liebe Grüsse, Nadia

    • Liebe Deschdanja, Innerlich sehe ich mich gar nicht als Künstlerin – dafür bin ich nicht originell und begabt genug aber äußerlich lasse ich diesen Titel tatsächlich ganz gerne mal durchgehen. Als „Künstlerin“ kommt man nämlich damit durch bis mittags zu schlafen, tagelang nur Cornflakes zu essen, weil man ja „zu vertieft in seine Arbeit ist“, wenn man in wirklichkeit einfach zu faul ist, zum Supermarkt zu gehen. Das ist manchmal recht nützlich 😉

  4. Annika

    2 November

    Das ist ja genial. Nicht nur, dass der Tisch wirklich top aussieht, er ist auch noch groß und super praktisch zu gleich. Sehr schön 🙂

    • Ronja Lotte

      4 November

      Danke! Ich liebe den Tisch und ich hatte noch nie zuvor so viel Platz beim Arbeiten – ein Traum 🙂

  5. Zimelie

    8 Dezember

    Herrlich, wie groß die Freude ist wenn Nützlichkeit auf Ästhetik trifft!
    Danke für den geschmackvollen und erheiternden Einblick in Dein Atelierleben 🙂
    LG Jessie von Zimelie

    • Liebe Jessie,
      Lieben dank für die netten Worte 🙂 Ich bin einfach zu praktisch veranlagt und versuche immer beide Aspekte zu verbinden. Demnächst gibt es auch mal wieder mehr aus meinem Atelier .-) Liebste Grüße, Ronja Lotte

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