Laterne, Laterne

Ich liebe meinen Stadtteil, mit derselben Liebe, die nur eine Mutter für ihr eigenes hässliches Kind empfinden kann. Nein, bei uns gibt es keine schicken Restaurants; originell eingerichtete Studentencafés; Kneipen, die sich abends mit schönen jungen Menschen füllen; süße Programmkinos; einen charmanten kleinen Wochenmarkt; einen Bioladen oder was es sonst noch braucht, um einen Stadtteil begehrenswert zu machen. Mein Viertel hat statt dessen eine unerklärbar hohe Anzahl an Kiosken und Friseuren, drei Dönerläden und eine erfrischend altmodische Einstellung zu Sperrmüll und Recycling: Was nicht mehr gebraucht wird, wird in meiner Straße einfach auf den Bürgersteig gestellt, manchmal mit netten kleinen Botschaften, zumeist jedoch lediglich mit einer lässigen Unverfrorenheit…

Das Prinzip ist einfach. Entweder findet sich für die Bürgersteigspende schnell ein neuer glücklicher Besitzer oder ein stummer Wettstreit der Nerven beginnt. Der Verlierer ist dabei derjenige Nachbar, der nachgibt und das betreffende Objekt selber zum Sperrmüll fährt. Diesen Frühling war ich einmal fast selber soweit, einen urhässlichen Sessel, der schon über einen Monat bei mir an der Ecke stand, entweder anzuzünden oder mir ein Auto zu leihen und ihn zum Recycling zu fahren, als er glücklicherweise eines nachts plötzlich verschwand (was mir entweder eine lästige Autofahrt oder eine Strafanzeige ersparte). Doch alle Tage wieder, gibt es auch kleine Schätze, die ich so buchstäblich vor meiner Türschwelle einsammeln konnte. So auch zwei alte Straßenlaternen, die wohl einst als Außenbeleuchtung gedacht, nun meine Wohnung als Kerzenleuchter bereichern.

lampezwei

Bei den ersten beiden Laternen musste ich den alten Lack komplett runterholen und sie neu lackieren. Was mir aber tatsächlich Spaß gemacht hat und die Arbeit definitiv wert war. Nachdem ich dem Werkzeuggott meine weiße Laterne gezeigt hatte, schenkte er mir prompt noch eine dritte Lampe ähnlicher Art, die er ebenfalls vom Sperrmüll hatte, und die lediglich einmal gründlich abgeschrubbt werden musste.

lampedrei

Übrigens falls jemand von euch einen weißen Küchenoberschrank aus den 80er Jahren mit zersplitterten Pressholz braucht, hätte ich da einen Tipp, wo ihr derzeit einen umsonst finden könntet.

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