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Eine Woche, eine Tür

Eine Woche, eine Tür

Es gibt bestimmte Dinge, bei denen es schwer ist, mit ihnen aufzuhören, wenn man erst einmal damit angefangen hat: Chips essen, der Frühjahrsputz oder Witze über Justin Bieber machen. Mir geht es genauso mit dem Renovieren. Sobald ich an einer Ecke anfange, will ich auch gleich alles andere machen. Von den Wänden komme ich zu den Zimmerdecken, zu den Heizungen, zu den Fußleisten, zu den Türrahmen und dann eines Tages im letzten Jahr, fing ich mit meinen Wohnungstüren an. Die ersten paar waren kein Problem, da ich sie nur anschleifen und streichen musste aber die letzten zwei entpuppten sich als echte Herausforderung. Wer schon einmal in einer Altbauwohnung gelebt hat, kennt die obligatorischen Risse und Spalten, die in alten Türen mit der Zeit entstehen. Je älter die Tür, desto mehr Holz blättert ab und durch einfaches Überstreichen, gehen diese Risse auch nicht weg. Bei meinen Türen wollte ich gerne die Reliefverzierungen wieder herstellen und nicht einfach nur die Risse zu spachteln.

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Vor einem Jahr habe ich noch nicht alle meine Werkeleien fotodokumentiert und so ist die Vorher-Tür eine Tür, die ich noch nicht renoviert habe und die genauso aussieht, wie meine renovierte Tür vorher.

Nach einigem Hin und Her habe ich mir also einen elektrischen Holzhobel ausgeliehen und zwei Holzböcke aufgestellt. Daraufhin folgte eine interessante halbe Stunde, die ich begraben unter meiner Tür verbrachte, nachdem ich versucht hatte sie allein auszuhängen. Das Aushängen ging eigentlich erstaunlich einfach, die Tür alleine auf die Holzböcke zu heben, war der schwierige Teil. Nachdem ich mir selbst erneut bewies, dass man mit genug Dickkopf alles schaffen kann, war meine Tür horizontal positioniert und ich konnte mit dem Hobeln beginnen. Mit einem kleinen Aufsatz habe ich zunächst das ganze Holz um die Risse herum heruntergehobelt und dann noch einmal die ganze Fläche per Hand angeschliffen, da mein Bandschleifer nicht in den Zwischenraum der Relieftür gepasst hat. Was darauf folgte waren zwei Tage fluchen, in denen ich mit Holzpaste und meinem kleinsten Spachtel das Relief von Vorher nachgeformt habe. Nachdem ich fertig war, war ich so stolz, dass ich gleich nach dem ersten oberflächlichen Trocknen der Holzpaste mein neues Relief wieder kurz anschliff und neu lackierte.

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Was man bei diesem Foto nicht sehen kann, ist dass dies leider ein Fehler war. Beim Trocknen hat sich die Holzpaste noch weiter zusammengezogen und somit sind kleine Risse im neuen Lack entstanden. Nichts was einem wirklich auffällt aber ärgerlich, weil es vermeidbar gewesen wäre. An dieser Stelle war nun schon eine Woche vergangen, die ich mich mit dieser einen Türseiten beschäftigt hatte und so konnte ich es einfach nicht mehr in mir finden, die Farbe wieder herunter zu schleifen und den Lack neuzumachen. Auch wenn es mich einige Zeit gekostet hat, war ich doch sehr erstaunt, was man auch als Laie und Unwissender schaffen kann, wenn man sich nur ein bisschen informiert und das richtige Werkzeug hat. „Das kann ich nicht!“ ist einfach kein Argument.

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Dieser Beitrag ist auch verfügbar auf: Englisch


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